GLOBAL 2000-Klimareport: Nur schwacher Rückgang von Treibhausgasemissionen in Vorarlberg

Großer Anteil an Ölheizungen, zu niedrige Sanierungsrate, hoher Energieverbrauch und Verkehrsbelastung als Hauptprobleme, positiv ist der im Österreichvergleich höchste Rad-Anteil.

Wien/Bregenz (OTS) In einem großen Klimaschutzbericht, welcher im Rahmen der Umweltinitiative Mutter Erde veröffentlicht wird, untersucht die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 die Fortschritte der Bundesländer beim Klimaschutz seit 2010. Das Bild zeigt für Vorarlberg noch Handlungsbedarf: „In Vorarlberg sind die Treibhausgasemissionen in den letzten Jahren kaum gesunken. Der nach wie vor hohe Anteil an Ölheizungen, die zu niedrige Sanierungsrate und ein zu hoher Energieverbrauch sind die Hauptprobleme, denen sich die Landesregierung rasch widmen sollte. Positiv ist der im Bundesvergleich hohe Anteil des Umweltverbunds, der aber weiter ausgebaut werden muss“, betont Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Nur leicht sinkende Treibhausgasemissionen
In Vorarlberg sind die Treibhausgasemissionen seit 2010 um 3,5 % (2017) gesunken. Während die Emissionen im Gebäudesektor zwar deutlich um 27,6 % gesenkt werden konnten, sind die Verkehrsemissionen jedoch um 9,7 % stark angestiegen. Damit gehört Vorarlberg allerdings neben Kärnten, Niederösterreich und der Steiermark zu den vier Bundesländern, die ihre Treibhausgasemissionen überhaupt senken konnten. Mit Pro Kopf Emissionen von 5,3 t CO2 liegt Vorarlberg unter dem Bundesschnitt von 5,9 t.

Diese schwachen Reduktionstrends müssen verstärkt werden, damit Vorarlberg die selbst gesteckten Ziele erreichen kann. Bis zum Jahr 2050 soll Energieautonomie erreicht werden, dann soll der Anteil erneuerbarer Energie 100 % betragen. Derzeit liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei 40,5 % (2018) und konnte gegenüber 2010 um rund 4 % gesteigert werden. Das ist zwar ein positiver Trend, kritisch ist allerdings zu vermerken, dass es bis dato nicht ausreichend gelingt, den Energieverbrauch zu senken. Bis 2020 sollte der Endenergieverbrauch gegenüber dem Wert von 2005 um 15 % reduziert werden. Er liegt aber aktuell immer noch um 2,7 % über dem Wert von 2005, womit eine deutliche Zielverfehlung erwartet werden kann. Eine starke Senkung des Energieverbrauchs ist aber notwendig, damit die langfristigen Ziele erreicht werden können.

Hoher Anteil von Ölheizungen und niedrige Sanierungsrate
Kritisch ist der im Österreichvergleich hohe Anteil der Haushalte, die mit einem fossilen Heizsystem (43,4 %) beheizt werden, wobei 30,8 % mit Heizöl und 12,5 % mit Erdgas heizen. Beim Anteil der Ölheizungen hat Vorarlberg nach Tirol den höchsten Anteil in ganz Österreich. Positiv sieht GLOBAL 2000 deshalb die Ankündigung, dass Ölheizungen ab dem Jahr 2021 nicht mehr eingebaut werden sollen. Wichtig ist, dass diese Regelung auch für den Bestand gelten soll und nicht nur für den Neubau.

Gleichzeitig liegt die thermisch-energetische Sanierungsrate im Jahr 2018 bei 1,5 % und damit noch weit weg von der erforderlichen Sanierungsrate von 3 %. „In Vorarlberg sollte eine neue Sanierungsoffensive gestartet werden, um Gebäude klimafit zu machen. Das sollte zu den Top-Prioritäten der Vorarlberger Landesregierung gehören“, erklärt Wahlmüller.

Mit Abstand höchster Rad-Anteil in Vorarlberg
In Vorarlberg werden 52 % der Wege mit dem motorisierten Individualverkehr, 14 % mit dem öffentlichen Verkehr, 16 % mit dem Fahrrad und 18 % zu Fuß zurückgelegt. Damit weist das Land nach Wien den höchsten Anteil des Umweltverbundes (Bahn, Bus, Rad, Fußwege) auf. Der Rad-Anteil ist mit 16 % österreichweit mit Abstand am höchsten und liegt deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt von 7 %. Mit dem Fahrrad fahren die Vorarlberger*innen durchschnittlich 1,37 km pro Tag und damit doppelt so viel wie z.B. die Tiroler*innen. Hier liegt das Land österreichweit an der Spitze. Anreize zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr werden gesetzt: Seit 2014 ist in Vorarlberg für den öffentlichen Verkehr eine landesweit gültige Jahreskarte erhältlich und kostet derzeit 385 €. Nur in Wien ist die Jahreskarte günstiger.

Der Motorisierungsgrad liegt bei 543,7 PKW/1.000 EW, was nach Wien der niedrigste Wert in Österreich ist. Allerdings ist der Motorisierungsgrad seit 2010 um 7,9 % angestiegen, die Trendwende zu weniger PKW ist also noch nicht erreicht. Auch in Vorarlberg spielen bei den Verkehrsemissionen „Tanktourismus” und der stark steigende Güterverkehr eine große Rolle, weshalb auch bundes- und europapolitische Ansätze greifen müssen: „Es braucht jetzt klare und verbindliche Strategien für den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle bis spätestens 2040 und neue Initiativen leistbare und umweltfreundliche Mobilität voranzutreiben. Staus, Lärm und gesundheitsschädliche Abgase müssen reduziert werden. Diese Initiativen gilt es zudem durch bundespolitische und europapolitische Schritte bestmöglich zu unterstützen, denn beim Klimaschutz müssen alle politischen Ebenen zusammenarbeiten. Nur gemeinsam können wir den so wichtigen Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle schaffen“, appelliert Wahlmüller.

Viele positive Initiativen weisen den Weg
Positiv sieht GLOBAL 2000, dass es viele Initiativen von Gemeinden, Vereinen, Unternehmen und Einzelpersonen gibt, die erfreuliche Veränderungen auf den Weg bringen wollen. Diese Initiativen sind bereits Teil der Veränderung und sollten gefördert und ausgebaut werden. Sie sind Labore für eine bessere Zukunft und können den Grundstein für eine Transformation hin zu einem klimafreundlichen Vorarlberg legen. Eine kleine Auswahl an positiven Beispielprojekten ist in der Studie (ab S. 46) enthalten.

HIER geht’s zur Studie.

Presseaussendung Die Bundesländer im Vergleich.

Aktuelle Grafiken finden Sie HIER.

Rückfragen & Kontakt:

Lydia Matzka-Saboi, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, 0699 14 2000 26, lydia.matzka@global2000.at
Johannes Wahlmüller, GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecher, 0699 14 2000 41, johannes.wahlmueller@global2000.at



Quelle

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