GLOBAL 2000-Klimareport: Steigende Treibhausgasemissionen in Tirol

Großer Anteil an Ölheizungen, niedrige Sanierungsrate und hohe Verkehrsbelastung als Hauptprobleme

Wien/Innsbruck (OTS) In einem großen Klimaschutzbericht, welcher im Rahmen der Umweltinitiative Mutter Erde veröffentlicht wird, untersucht die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 die Fortschritte der Bundesländer beim Klimaschutz seit 2010. Das Bild zeigt für Tirol noch großen Handlungsbedarf: „Damit das erklärte Ziel der Energieautonomie erreicht werden kann, gibt es in Tirol noch viel zu tun. Unter allen Bundesländern hat Tirol den stärksten Anstieg von Treibhausgasemissionen und entfernte sich damit in den letzten Jahren von den Klimazielen. Der höchste Anteil von Ölheizungen in Österreich, eine viel zu niedrige Sanierungsrate und hohe Verkehrsbelastung müssen nun von der Landesregierung als Probleme erkannt und wirksam angegangen werden“, betont Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Höchster Anstieg an Treibhausgasemissionen
Tirol will bis zum Jahr 2050 energieautonom sein und seinen Energiebedarf im Jahressaldo auf Basis der Nutzung heimischer, erneuerbarer Energieträger decken. Die Treibhausgasemissionen sollen bis dahin um 80-95 % reduziert werden. Damit besteht gegenüber dem Ziel der Bundesregierung bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen, noch Nachschärfungsbedarf. Allerdings entfernt man sich derzeit von den Zielen: Seit 2010 sind die Treibhausgasemissionen in Tirol aber um 2,6 % angestiegen, anstatt zu sinken. Das ist unter allen Bundesländern der höchste Anstieg. Während die Emissionen im Gebäudesektor nur schwach gesenkt werden konnten, sind die Verkehrsemissionen überdurchschnittlich stark angestiegen.

Steigender Energieverbrauch
Während sich die Treibhausgasemissionen in die völlig falsche Richtung entwickeln, kommt man auch bei der geplanten Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien nicht vom Fleck. Zwar liegt der Anteil erneuerbarer Energien in Tirol mit 45,6 % noch immer deutlich über dem Österreichschnitt, dieser Anteil blieb gegenüber 2010 aber relativ stabil. Der Anteil erneuerbarer Energien konnte in dem Zeitraum also nicht wie vorgesehen gesteigert werden. Hauptgrund dafür ist der stark steigende Energiebedarf, der in etwa im gleichen Tempo steigt, wie erneuerbare Energien ausgebaut werden. Mit einem Anstieg seit 2010 von 4,3 % hat Tirol nach Kärnten den stärksten Anstieg des Energieverbrauchs in Österreich zu verbuchen. Die Folge ist, dass Tirol das einzige Bundesland ist, das im Jahr 2017 mehr fossile Energie verbrauchte, als noch 2010.

Höchster Ölheizungsanteil und niedrige Sanierungsrate
Ein Grund dafür ist der anhaltend hohe Anteil fossiler Heizungen. Tirol ist mit einem Anteil von rund 44 % nach Wien und Niederösterreich das Bundesland mit dem höchsten Anteil fossiler Heizungen. Mehr als jeder Dritte Tiroler Haushalt heizt mit Öl (34,6 %), das ist der höchste Anteil in Österreich. Gleichzeitig gehört auch die thermische Sanierungsrate mit 1,1 % österreichweit zu den niedrigsten. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Ein klarer Ausstiegsplan aus der Ölheizung und eine neue Sanierungsoffensive, um Gebäude klimafit zu machen, sollte zu den Top-Prioritäten der Tiroler Landesregierung gehören“, sagt Wahlmüller.

Hohe Verkehrsbelastung
Kritisch ist auch die hohe Verkehrsbelastung. In Tirol werden 60 % der Wege mit dem motorisierten Individualverkehr, 11 % mit dem öffentlichen Verkehr, 7 % mit dem Fahrrad und 21 % zu Fuß zurückgelegt. Damit ist die Verkehrsbelastung hoch. Beim Motorisierungsgrad gehört Tirol mit 544 PKW/1.000 EW allerdings zu den Bundesländern mit vergleichsweise niedrigerer PKW-Dichte. Allerdings gab es seit 2010 mit 9,6 % einen starken Anstieg des Motorisierungsgrades. Anreize zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr werden gesetzt und sollten weiter ausgebaut werden: Seit 2017 ist in Tirol für den öffentlichen Verkehr eine landesweit gültige Jahreskarte erhältlich, die derzeit 499,40 € kostet. In Wien und Vorarlberg ist die Jahreskarte allerdings vergleichsweise günstiger. Problematisch ist in Tirol zudem der massive LKW-Güterverkehr, wobei auch bundes- und europapolitische Schritte notwendig sind. Nicht alle Probleme sind somit hausgemacht. „Es braucht jetzt klare und verbindliche Strategien für den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle bis spätestens 2040 sowie neue Initiativen, leistbare und umweltfreundliche Mobilität voranzutreiben. Staus, Lärm und gesundheitsschädliche Abgase müssen reduziert werden. Diese Initiativen gilt es zudem durch bundespolitische und europapolitische Schritte bestmöglich zu unterstützen, denn beim Klimaschutz müssen alle politischen Ebenen zusammenarbeiten. Nur gemeinsam können wir den so wichtigen Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle schaffen“, appelliert Wahlmüller.

Viele positive Initiativen weisen den Weg
Positiv sieht GLOBAL 2000, dass es viele Initiativen von Gemeinden, Vereinen, Unternehmen und Einzelpersonen gibt, die erfreuliche Veränderungen auf den Weg bringen wollen. Diese Initiativen sind bereits Teil der Veränderung und sollten gefördert sowie ausgebaut werden. Sie sind Labore für eine bessere Zukunft und können den Grundstein für eine Transformation hin zu einem klimafreundlichen Tirol legen. Eine kleine Auswahl an positiven Beispielprojekten ist für Tirol in der Studie (ab S. 43) enthalten.

HIER geht’s zur Studie.

Presseaussendung Die Bundesländer im Vergleich.

Aktuelle Grafiken finden Sie HIER.

Rückfragen & Kontakt:

Lydia Matzka-Saboi, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, 0699 14 2000 26, lydia.matzka@global2000.at
Johannes Wahlmüller, GLOBAL 2000 Klima- und Energiesprecher, 0699 14 2000 41, johannes.wahlmueller@global2000.at



Quelle

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