GPA-djp appelliert an WK: Nicht schwarze Schafe schützen, sondern endlich einen KV für die Drucker verhandeln!

KV-loser Zustand macht's möglich: Längere Arbeitszeit, weniger Nachtzuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld - Gelbe Karte für steirische Unternehmerin

Wien (OTS) - Die rund 9000 Beschäftigten des Grafischen Drucks in Österreich müssen seit Mitte Juni ohne den Schutz eines Kollektivvertrags arbeiten. Etliche Gespräche mit Verantwortlichen in der WKO, um rasche Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag aufzunehmen, sind bis heute ohne Ergebnis. Erste ArbeitgeberInnen versuchen bereits Kapital aus diesem kollektivvertragsfreien Zustand zu schlagen - wie auch die Universitätsdruckerei Klampfer, in der Betroffene mit Verschlechterungsvereinbarungen konfrontiert sind. Rund 350 TeilnehmerInnen folgten heute Nachmittag dem Aufruf der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier), vor dem Unternehmen in Sankt Ruprecht an der Raab gegen diese Vorgangsweise zu protestieren und lautstark einen bundesweiten Kollektivvertrag zu fordern.

Nach Solidaritätsbotschaften des steirischen AK-Präsidenten Josef Pesserl und des steirischen ÖGB-Vorsitzenden Horst Schachner fasste Michael Ritzinger, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Druck, Papierverarbeitung, Kommunikation in der GPA-djp, die Situation zusammen: "Sie sichern keine Arbeitsplätze, Frau Klampfer, Sie sind verantwortlich für unfaire Arbeitsbedingungen - genau das würde ein Kollektivvertrag verhindern! Deswegen sind wir heute hier, um an Ihre Verantwortung als Unternehmerin zu appellieren: stoppen Sie die Verschlechterungen! Setzen Sie sich dafür ein, dass es einen fairen, österreichweit gültigen Kollektivvertrag für die Beschäftigten in Druckereien und im grafischen Gewerbe gibt."

"Mit den Verschlechterungen auf der betrieblichen Ebene hier in Ihrer Druckerei zwingen Sie uns zum Handeln. Die Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden, die Zahlung von Nachtzuschlägen erst ab 22 Uhr und die Kürzung des Weihnachts- und Urlaubsgelds - so wie das mit neuen Arbeitsverträgen in Ihrem Betrieb passiert, das muss gestoppt werden", erklärte auch der zuständige Wirtschaftsbereichssekretär Christian Schuster: "Die heutige Kundgebung ist wie eine Gelbe Karte. Einem besonnenen Fußballer, der die Gelbe Karte bekommt, wäre klar, dass er sein Spiel ändern muss, wenn er nicht auch noch die Rote Karte riskieren möchte."

"UnternehmerInnen, die Arbeitsbedingungen verschlechtern, sind keine Opfer, sondern Täter. Aber auch die Wirtschaftskammer spielt eine eigenartige Rolle", meinte Karl Dürtscher, stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp. Es wäre Aufgabe der Wirtschaftskammer, für faire Rahmenbedingungen in der Branche zu sorgen. "Hier werden aber schwarze Schafe geschützt und Verhandlungen für einen Kollektivvertrag verzögert. Das ist nicht das, was wir unter Sozialpartnerschaft verstehen." Die Vorgangsweise der Firma Klampfer sei auch ein Beispiel dafür, was die Verbetrieblichung der Lohn- und Gehaltspolitik bedeute, so Dürtscher abschließend: "Da wird schnell klar, dass die Unternehmen gewinnen und die ArbeitnehmerInnen verlieren. Das können und werden wir nicht akzeptieren, wir fordern die Wirtschaftskammer dazu auf, sich nicht länger Verhandlungen für einen Kollektivvertrag zu verweigern!"

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