„kreuz und quer“: „Der Krisenmanager: Christoph Schönborn – 20 Jahre Kardinal“ und „Salicelle Rap“

Am 20. Februar ab 22.30 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Er stammt aus einem Adelsgeschlecht – und wurde doch Bettelmönch: 1995 trat der Dominikaner P. Christoph Schönborn sein Amt als Erzbischof von Wien an – in den turbulenten Zeiten der Krise um seinen Vorgänger Kardinal Hans Hermann Groer. Vor genau 20 Jahren wurde er Kardinal. Der als moderat konservativ geltende Ordensmann Schönborn erwies sich bald als kirchlicher Krisenmanager – und überraschte seine Kritiker mit reformorientierten Entscheidungen, kompromissloser Aufklärung der kirchlichen Missbrauchsskandale und seinem Zugehen auf Randgruppen wie HIV-positive Menschen. Peter Beringers „kreuz und quer“-Porträt zeigt am Dienstag, dem 20. Februar 2018, um 22.30 Uhr in ORF 2 Herkunft und Werdegang Schönborns, sein Bestreben, die auseinanderdriftende Herde der Gläubigen zusammenzuhalten – und lässt Weggefährten sowie Kritiker zu Wort kommen.

Salicelle ist ein heruntergekommenes Viertel in einem Vorort von Neapel. Hier gibt es so gut wie keine Infrastruktur – und auch legale Arbeitsplätze sind kaum zu finden. Wer hier lebt, hat praktisch keine andere Wahl, als sein Geld im Dienste einer der ältesten und größten kriminellen Organisationen Italiens zu verdienen: der Camorra. Damit will sich der katholische Priester Don Ciro nicht abfinden und hat einen engagierten Kampf gegen das Elend in diesem Viertel begonnen. Seinen Einsatz für die Jugendlichen in Salicelle dokumentiert die neapolitanische Filmemacherin Carmen Té in ihrem preisgekrönten Film „Salicelle Rap“ um 23.10 Uhr in ORF 2.

„Der Krisenmanager: Christoph Schönborn – 20 Jahre Kardinal“ – Ein Film von Peter Beringer

1995 trat der Dominikanerpater Christoph Schönborn sein Amt als Erzbischof von Wien an. Vor genau 20 Jahren, im Februar 1998, wurde er von Papst Johannes Paul II. ins Kardinalskollegium aufgenommen. Die gesellschaftlich-säkulare „Großwetterlage“ ist unwirtlich:
Kirchenaustritte und ein überalterter Klerus mit wenig Nachwuchs stellten den „Hirten“ Schönborn und die katholische Kirche in Österreich vor eine schwierige Situation. Aber auch das konfliktreiche Kirchenleben hielt den Wiener Erzbischof in Atem:
Kämpferisch konservative Kreise kritisierten die Bemühungen Schönborns um pastorale Lösungen – etwa bei wiederverheirateten Geschiedenen oder im Fall jenes Pfarrgemeinderats, der in einer homosexuellen Partnerschaft lebt und dessen Wahl Schönborn gegen den Willen des Ortspfarrers bestätigte. Gruppen wie die Pfarrer-Initiative oder die Plattform „Wir sind Kirche“ kritisieren hingegen den Reformstau, fordern weiterhin die Zulassung von Frauen zum Weiheamt und von verheirateten Männern zu Priestern. Doch seit der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio als Papst Franziskus die offenherzige Diskussion wünscht und selbst auf Erneuerung drängt, ist es auch um die Reformgruppen stiller geworden.

In Österreich, aber auch international hat Kardinal Schönborn als Krisenmanager Beachtung gefunden: Schon in der Affäre um seinen Vorgänger Hans Hermann Groer fand er – nach einem ersten unglücklichen Medienauftritt – klare Worte. Nach den 2010 bekannt gewordenen kirchlichen Missbrauchsfällen, die bis in die 1960er Jahre zurückreichten und eine Welle von Kirchenaustritten bewirkten, schwor Schönborn die teilweise unsicheren Mitglieder der Bischofskonferenz auf einen klaren Aufklärungskurs ein. Und in der Flüchtlingskrise 2015 mahnte der Kardinal, „hinzuschauen und zu helfen“ – und übte zugleich Selbstkritik: Bei der Hilfe seitens der Kirche sei noch „Luft nach oben“.

Erst am 1. Dezember 2017 setzte Schönborn einen weiteren vielbeachteten Schritt: Im Wiener Stephansdom hielt der Kardinal erstmals einen Gedenkgottesdienst zum Weltaidstag, bei dem der rund 36 Millionen Menschen gedacht wurde, die bisher an Aids gestorben sind. „Es gibt eine schwierige Tradition zwischen dem Thema HIV/Aids und der Kirche, weil es natürlich Themen berührt wie Sexualität, Lust und auch gleichgeschlechtliche Sexualität“, so „Life Ball“-Organisator Gery Keszler, der am Gottesdienst teilnahm und betonte: „Dass wir in Österreich einen Kardinal haben, der sich im Sinne der Nächstenliebe auch sehr sorgt, und auf Menschen, denen es schlecht geht, ohne Vorurteile zugeht, macht mich sehr, sehr glücklich.“

Die „kreuz und quer“-Doku geht der familiären Herkunft Schönborns aus adeligem Hause nach, beschreibt seinen Werdegang als Dominikaner und Theologe. Wie denkt der Kardinal über Reformen und die innerkirchlichen „heißen Eisen“? Was ist für ihn das Eigentliche des christlichen Glaubens? Und wie verbindet er seine Intellektualität mit einem volksnahen, fast naiven Glauben? Zu einzelnen Stationen und auch Irritationen in seiner Zeit als Wiener Erzbischof und Kardinal kommen unter anderen zu Wort: der Schriftsteller Peter Turrini, den eine lange und kritische Freundschaft mit Schönborn verbindet, Helmut Schüller, Schönborns früherer Generalvikar und Chef der Pfarrer-Initiative; der Pastoraltheologe Paul M. Zulehner; die exkommunizierte Vorsitzende der Plattform „Wir sind Kirche“, Martha Heizer; P. Karl Wallner von der Päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz; die Theologin Regina Polak und der Journalist Heiner Boberski.

„Salicelle Rap – Ein Priester im Kampf gegen die Camorra“ – Ein Film von Carmen Té

Nach dem schweren Erdbeben, das 1980 Neapel heimgesucht hat, wurden in Salicelle Wohnungen errichtet, um die obdachlos gewordenen Neapolitanerinnen und Neapolitaner unterzubringen. Auch sollten Schulen, Krankenhäuser, Geschäfte, Jugendzentren und eine Polizeiwache gebaut werden. Doch dazu kam es nie, weil der Staat dafür kein Geld zur Verfügung stellte. Und so ist Salicelle im Lauf der Jahre immer mehr heruntergekommen, die Fassaden bröckeln, Dächer sind undicht, es gibt kaum Infrastruktur. Wer hier seinen Lebensunterhalt verdienen will, kann das nur als Handlanger der Camorra tun. Vor allem junge Männer werden mit Traumgagen von 2.000 bis 3.000 Euro Verdienst pro Woche angelockt, damit sie Drogen für die Camorra verkaufen, sich als Geldeintreiber betätigen oder im Auftrag der „Ehrenwerten Gesellschaft“ Einbrüche oder gar Morde verüben.

Der katholische Priester Don Ciro konnte und wollte sich nicht mehr mit dem beständigen Niedergang seines Viertels abfinden und begann sich für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse in Salicelle einzusetzen. Kurzerhand besetzte er ein leerstehendes Gebäude, renovierte es und richtete ein Jugendzentrum ein. Damit hat er vielen Jugendlichen neue Perspektiven verschafft.

Luca Blinda und Toni Phone, zwei junge talentierte Rapper, drücken ihre Unzufriedenheit über die Missstände im Viertel in ihren frechen Texten aus. Mit ihrer Musik gelingt es ihnen, viele andere Jugendliche in ihren Bann zu ziehen und sie ebenfalls ins Jugendzentrum von Don Ciro zu bringen. Mittlerweile sind sie selbst in der Jugendarbeit tätig und veranstalten Rap-Workshops mit Kindern von Salicelle. Die beiden 13-jährigen Mädchen Tina und Manuela hassen es, die Schule zu besuchen. Am liebsten treiben sie sich auf der Straße herum. Doch auch sie haben Zukunftspläne: Wie viele andere in Salicelle träumen sie, Tänzerinnen und Sängerinnen zu werden. Der 37-jährige Giovanni hat bereits 18 Jahre seines Lebens in Gefängnissen zugebracht. Nun möchte er endlich sein Leben in den Griff bekommen und nie wieder kriminell werden. Don Ciro steht ihm als Bewährungshelfer zur Seite und bemüht sich, seinen Schützling wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Auch Don Ciro selbst ist immer wieder in Gefahr. Wer der Camorra und ihren kriminellen Aktivitäten in die Quere kommt, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Selbst Priester sind vor ihrer Rache nicht sicher. So wurden in Süditalien immer wieder katholische Priester Opfer von Mordanschlägen, weil sie es gewagt hatten, die kriminellen Machenschaften der Camorra öffentlich anzuprangern.

Carmen Té fängt in ihrem Dokumentarfilm „Salicelle-Rap – Ein Priester kämpft gegen die Camorra“ das Leben der Menschen in Salicelle ein – mit den großen Problemen, die organisierte Kriminalität, sozialer Niedergang und Armut mit sich bringen, aber auch mit den kleinen Freuden des Alltags und mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Beim 32. Internationalen Dokumentarfilmfestival 2017 in München wurde Carmen Té der FilmFernsehFonds-Förderpreis Dokumentarfilm verliehen.

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