Leitartikel “Impfen ist Vertrauenssache” vom 17. März 2021 von Mario Zenhäusern

Innsbruck (OTS) Die nicht enden wollende Pleiten- und Pannenserie rund um die nationale Impfkampagne verärgert die Menschen zusehends. Das Ringen um den umstrittenen Wirkstoff von AstraZeneca sorgt darüber hinaus für Verunsicherung.

Von Mario Zenhäusern
Die Impfungen gegen das Coronavirus stehen unter keinem guten Stern. Zuerst versagte die EU-Kommission bei der Bestellung der Impfstoffe für die 27 Mitgliedsstaaten auf der ganzen Linie. Obwohl die Europäische Union die Entwicklung der dringend benötigten Vakzine mit vielen Milliarden Euro vorfinanzierte, musste sich Europa hinten anstellen. Andere Länder waren da erfolgreicher: Israel zum Beispiel ist mit der ersten Teilimmunisierung bereits durch, im eben erst aus der EU ausgetretenen Großbritannien sind knapp 40 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal geimpft. Zum Vergleich: In Österreich haben derzeit 10,63 Prozent der Bevölkerung die erste Dosis erhalten, bei 3,7 Prozent ist der Impfschutz durch die Verabreichung der zweiten Dosis vollständig.
Zu allem Überdruss liefen die Impfungen dann auch in einzelnen Nationalstaaten mehr als schleppend an. Österreich machte da keine Ausnahme, ganz im Gegenteil: Fehlende Impfpläne und sich vordrängende Bürgermeister samt Ehefrauen sorgten für großen Ärger bei den Impfwilligen. Hinzu kamen plötzlich Lieferschwierigkeiten bei den Produzenten und – als ob das alles noch nicht genug wäre – immer wieder auftauchende Meldungen, der Impfstoff von AstraZeneca sei einerseits weniger wirksam (gegen Mutationen) und würde andererseits schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Obwohl noch keine gesicherten Daten vorliegen, haben zahlreiche europäische Länder aufgrund dieser Befürchtungen einen vorübergehenden Stopp der Impfungen mit AstraZeneca veranlasst.
Diese nicht enden wollende Pleiten- und Pannenserie verunsichert die Bevölkerung und schadet der Impfkampagne, ohne die eine Rückkehr zur Normalität nicht möglich ist. Mit gutem Gefühl lässt sich derzeit kaum jemand den AstraZeneca-Wirkstoff verabreichen. Impfen ist eben auch eine Sache des Vertrauens. Nur eine eindeutige Stellungnahme der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) könnte das arg ramponierte Image entweder wieder herstellen – oder das Gegenteil bewirken: einen europaweiten Stopp. Gestern teilten die EMA-Experten lediglich mit, dass der Nutzen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca „bis zum Abschluss der laufenden Untersuchungen“ größer sei als die Gefahren, die Vorteile würden das Risiko überwiegen. Eine vertrauensbildende Erklärung schaut anders aus. Die Zeit drängt. Jede weitere Verzögerung vervielfacht die Verunsicherung der Menschen.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com



Quelle

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at

(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender.

Eigenes Pressefach für Ihre Pressemeldungen - Pressefach.eu

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen