Neues Volksblatt: „Zeitzeugen“ von Harald ENGELSBERGER

Ausgabe vom 12. März 2018

Linz (OTS) - Am 12. März 1938 – also genau heute vor 80 Jahren – proklamierte Adolf Hitler auf dem Linzer Hauptplatz den Anschluss Österreichs an Deutschland. Das war der erste Akt zur Umsetzung seiner Wahnvorstellung von einem Tausendjährigen Reich, womit zeitgleich wohl das dunkelste Kapitel in der Geschichte Österreichs ihren Anfang nahm.
Leider gibt es fast keine Zeitzeugen mehr, die warnend den Zeigefinger heben und von dieser unglückseligen Zeit berichten können. Denn Erinnerungen verblassen allzu schnell. Ich hatte einen Zeitzeugen in der Familie – mein Vater sagte oft: „Sei froh, dass du den Krieg nicht erlebt hast!“ Dann erzählte er einmal, wie er als 17-jähriger Bub an die Front kam, weinend im Schützengraben lag und in die Luft schoss. Mit 21 Jahren floh er aus der Kriegsgefangenschaft und kam gesund nach Hause. Mein Vater redete nur dieses eine Mal über seine persönlichen Erlebnisse im Krieg – und es war auch das einzige Mal, dass ich meinen Vater weinen sah. Diese aufwühlende Geschichte hat sich in mein Gedächtnis gebrannt.
Wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt, ist es umso wichtiger, dass Staat und Schule aufklären und an die Gräuel der Geschichte erinnern. Nur so lassen sich aufkeimende Kriegslust und gefährliche Verharmlosung bekämpfen. „Wider das Vergessen“ ist Aufgabe jedes Einzelnen, um von Generation zu Generation daran zu arbeiten, dass es niemals wieder Zeitzeugen geben muss ...

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