„profil“: FPÖ-Kampagne – Geld für Belastungsmaterial über Wien Holding

Anwalt Tschank plante für Johann Gudenus Dirty Campaigning gegen SPÖ / Informantin erhielt Geld

Wien (OTS) Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ in einer gemeinsamen Recherche mit der Journalredaktion von Ö1 berichtet, erhielt eine ehemalige Mitarbeiterin der Wien Holding im Jahr 2014 Geld aus dem FPÖ-Umfeld für belastendes Material im Hinblick auf den beginnenden Landtagswahlkampf in Wien.
In der Wien Holding sind zahlreiche Firmenbeteiligungen der Stadt Wien gebündelt. Der Rechtsanwalt und spätere FPÖ-Nationalratsabgeordnete Markus Tschank beschrieb in einem E-Mail am 29. August 2014 folgenden Plan: „Es werden in den kommenden 2-3 Wochen 4 bis 6 kurze Sachverhaltsdarstellungen samt Beilagen vorbereitet, die wir – in Etappen – über den NR-Parlamentsklub (wegen erweiterter Immunität) an die WK-STA übermitteln werden.“ Gleichzeitig sollten die Anzeigen laut Mail „wieder in Etappen“ vom späteren Novomatic-Konzernsprecher Bernhard Krumpel an die Medien gespielt werden. Für jede Medienerwähnung erhalte die Informantin „eine finanzielle Zuwendung von € 1.000,00 also ein rein erfolgsabhängiges Honorar“.
Empfänger des Mails waren unter anderem der FPÖ-Bezirksrat und spätere Kurzzeit-Casinos-Vorstand Peter Sidlo sowie Markus Braun, der später Funktionen in mehreren FPÖ-nahen Vereinen übernehmen sollte. In CC stand unter anderem Johann Gudenus. Tschank schrieb: „Joschi soll gleichzeitig mit der Medienplatzierung zu den massiven Vorwürfen in der Wien-Holding (Überhöhte Bonuszahlungen an Manager / Postenschacher etc.) Stellung nehmen. Das wird ein schönes Thema für den beginnenden LT-Wahlkampf im Herbst.“ Braun reagierte begeistert:
„Sehr gut! Endlich wieder Feuer unter dem Hintern der Roten!“ Auf Anfrage von profil und Ö1 verwies Tschank darauf, dass die im E-Mail beschriebene Vorgangsweise „in dieser Form nicht umgesetzt“ worden sei. Eine Anzeige wurde allerdings eingebracht, auch erschien Anfang November 2014 ein entsprechender Artikel im „Kurier“. Die konkreten Vorwürfe waren dabei schon lange bekannt: „profil“ berichtete bereits Ende 2013 darüber.
Krumpel teilt mit, er habe in Bezug auf den „Kurier“-Artikel keine Inhalte weitergegeben. Tschanks Informantin bestätigt auf Anfrage, dem Anwalt Ende 2014 den Betrag von 1000 Euro in Rechnung gestellt zu haben – allerdings nicht unter dem Titel „Medienerwähnung“, sondern unter „SV-Darstellung“. Der Anwalt erklärt, die Frau habe „für Unterstützungsleistungen im Zusammenhang mit der Erstellung eines Schriftsatzes ein Honorar erhalten“ – nicht im Zusammenhang „mit etwaigen Medienberichterstattungen“. Die Erstellung des Schriftsatzes sei „rein faktenbasiert erfolgt“. Von „Dirty Campaigning“ könne „keine Rede sein“.

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