Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 1. März 2018. Von PETER NINDLER. „Geschenke, Geschenke, Geschenke“.

Innsbruck (OTS) - Vor allem die Wirtschaft erwartet sich nach dem Wahlsieg von LH Günther Platter, dass er mit einem Geschenkskorb aus den Koalitionsverhandlungen zurückkommt. Der Wunschzettel reicht von Pistenkilometern bis zu Kraftwerken.

Mit 44,3 Prozent wollen viele in der ÖVP endlich ernten: Vor zehn Jahren musste sich die Volkspartei zuerst vom Dinkhauser-Schock erholen, dann Konjunkturpakete schnüren, um die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise in Tirol abzufedern. 2013 gab es im Vorfeld der Landtagswahl den schlussendlich an der Wahlurne gescheiterten bürgerlichen Aufstand gegen LH Günther Platter (VP). Zugleich schnürte die Diskussion um die Gemeindegutsagrargemeinschaften der ÖVP über Jahre die politische Luft ab. Nicht zu vergessen die Flüchtlingskrise, die es ebenfalls zu bewältigen galt. Deshalb ist es nach dem Wahltriumph vom Sonntag mehr als verständlich, dass die Begehrlichkeiten in der Volkspartei größer werden; von der Wirtschaft im Allgemeinen und den Touristikern im Speziellen.
Der Skigebietszusammenschluss Pitztal/Ötztal symbolisiert nicht nur den Wunsch nach touristischer Entwicklung, sondern auch nach regionalen Zukunftsperspektiven für das Pitztal. Der Ausbau des Kaunertal-Kraftwerks bleibt auf der politischen Agenda, der Fernpassscheitel- und der Tschirganttunnel kommen noch dazu. Bestärkt vom Wahlergebnis und der schwarz-blauen Koalition im Bund will sich der Wirtschaftsflügel hier nicht bremsen lassen. Mit der SPÖ oder der FPÖ wäre das alles kein Problem, einzig mit den grünen Umweltfightern müssten wohl Kompromisse gefunden werden.
Andererseits profitierte Günther Platter von der Regierung mit den Grünen: Das umstrittene Agrarthema hat er mit ihnen beendet. Und im Gegensatz zum Bund herrschte in zentralen Fragen wie Transit/Verkehr oder Flüchtlinge stets ein lösungsorientierter Ansatz in der schwarz-grünen Landesregierung. Im Umweltbereich konnten sich Schwarz und Grün wiederum für ihre eigene Klientel reiben. Diesen politischen Freiraum haben sich die Koalitionsparteien zur eigenen Profilierung in der Regierung zugestanden.
Doch jetzt ist Erntezeit. Diese Erwartungshaltung begleitet Platter in den Sondierungsgesprächen, obwohl er weitgehend freie Hand hat. Weil sich der Landeshauptmann aber seiner Stärke bewusst ist, muss er sich nicht immer starkmachen. Wer hätte ihm 2013 zugetraut, dass er plötzlich grün blinkt? Warum sollte er als Gegenentwurf zu Schwarz-Blau im Bund nicht in Tirol wieder eine Koalition mit den Sozialdemokraten bilden? Die FPÖ wird er deshalb ebenfalls bis zum Schluss im Spiel halten, um den Preis für eine Koalition hoch zu halten. Schließlich muss für seine Unterstützer schon auch etwas im Geschenkskorb sein – wie etwa einige Pistenkilometer für Ötztal/Pitztal.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com



Quelle

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at

(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender.

Hinterlasse eine Nachricht

Eigenes Pressefach für Ihre Pressemeldungen - Pressefach.eu