Tiroler Tageszeitung „Leitartikel“ vom 14.11.17 von Peter Nindler „Wer soll diese Grünen noch wählen“

Innsbruck (OTS) - Der Fall Onay symbolisiert den nächsten Akt der Selbstzerfleischung der im Land und in der Stadt Innsbruck mitregierenden Ökopartei. Und die hochgesteckten politischen Ziele zerplatzen wie Seifenblasen.

Die Kontroverse rund um den Innsbrucker Gemeinderat Mesut Onay offenbart schonungslos die Handlungsunfähigkeit der Tiroler bzw. Inns-
brucker Grünen. Die in Stadt und Land mitregierende Ökopartei beginnt sich analog zu den Bundesgrünen ebenfalls zu marginalisieren. Die Grünen werfen plötzlich alle Grundsätze des fairen Umgangs miteinander über Bord, anstatt sich umfassend, seriös und gerecht mit den im Raum stehenden Vorwürfen von Frauen gegenüber Onay auseinanderzusetzen. Nichts soll verharmlost werden, aber gleichzeitig darf nicht der Eindruck der Selbstgerechtigkeit entstehen. Doch dort sind die Grünen zwischenzeitlich angekommen. Die Auseinandersetzung um und mit Mesut Onay lässt die Fassade bröckeln, der Akt der Selbstzerfleischung greift um sich.
Die Tiroler Grünen wollten stets die gesittete Streitkultur pflegen und haben sich jetzt mit Anlauf in die Steinzeit zurückkatapultiert. Landtagsvizepräsident Hermann Weratschnig wurde von der Basis hinausgeschossen, obwohl sich wahrscheinlich nur ein kleiner Teil von ihr tatsächlich mit seiner Politik im Land auseinandergesetzt hat. Offenbar musste es ein bekanntes Opfer am Parteitag geben.
Bei den Innsbrucker Grünen löste die Ankündigung von Georg Willi, sich als Bürgermeisterkandidat zu bewerben, ein Erdbeben aus. Statt den Wettbewerb anzunehmen, brachten sich die grünen Heckenschützen sofort in Stellung. Persönliche Befindlichkeiten und Eitelkeiten wurden hervorgekehrt. Die latente interne Kritik am blassen Auftreten der amtierenden Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider war plötzlich kein Thema mehr, schließlich galt es, Willi zu verhindern, auch um Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer koalitionär zu gefallen. Das gelang nicht, nichtsdestotrotz stecken seither die Giftpfeile in der Partei.
Seit Monaten versagt das Krisenmanagement, die Landesversammlung war höchstens eine Haftcreme, aber kein Sekundenkleber. Es gibt zwar einen Landessprecher, doch offensichtlich nur auf dem Papier. Neid, Missgunst und Streit machen sich bei den Tiroler Grünen breit, die Symptome werden allerdings nicht bekämpft. Wenn Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe von „purem Gift“ spricht, hat sie den Ernst der Lage erkannt. Denn wer soll diese Grünen noch wählen?
Und innerhalb weniger Monate müssen Felipe und Willi erkennen, dass ihre hochgesteckten Ziele für die beiden Wahlen 2018 möglicherweise wie Seifenblasen jäh zerplatzen. Wegen zu viel Oberflächenspannung.

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