TIROLER TAGESZEITUNG “Leitartikel” vom 23. September von Alois Vahrner “Vor EU-Chaos um Reisewarnungen”

Innsbruck (OTS) Europa steuert nach dem Grenzschließungs-Fiasko und staatlichen Egotrips um Medizin-Material auf chaotische Zustände bei Reisewarnungen hin – von einer einheitlicher Vorgangsweise oder gleichen Standards keine Spur.

Die Meldungen sind alles andere als beruhigend: In der letzten Woche gab es weltweit fast zwei Millionen Corona-Neuinfektionen und damit so viele wie nie zuvor, teilte gestern die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Insgesamt zählte man seit Ausbruch der Pandemie fast 32 Mio. Infektionen und 965.000 Tote mit oder an Covid, davon allein in den USA über 200.000. Vor allem in Europa, wo man die größte Gefahr bereits überwunden sah, schnellten zuletzt sowohl die Infektions- als auch die Todeszahlen deutlich nach oben. In fast allen Ländern werden die in den letzten Monaten vorgenommenen Lockerungen teilweise wieder zurückgenommen. Die Angst vor einem unfinanzierbaren zweiten Lockdown wird größer.
Nach der Lockerung der zuvor massiven Einschränkungen hat die vielbeschworene Eigenverantwortung leider nicht überall funktioniert – siehe die Cluster durch diverse Feiern. Das Ergebnis und die Folgen sieht man leider auch in Österreich.
Ein gemeinsames Europa hat im Frühjahr nicht stattgefunden. Im Gegenteil: Die Staaten ließen sämtliche Grenzbalken hinunter, zu Beginn wurde anderen Mitgliedsländern teils sogar die Lieferung von dringend benötigtem medizinischen Material verweigert. Und die EU-Kommission in Brüssel blieb viel zu lange auf Tauch­station. Es stimmt, dass Brüssel über kaum Gesundheits- und Sicherheitskompetenzen verfügt, aber nie zuvor wurden in solchem Tempo wichtige EU-Pfeiler umgeworfen.
Was hat Europa seitdem gelernt? Es wurd­e – nach heftigem Streit – ein riesiger Corona-Wiederaufbaufonds fixiert. Tatsächlic­h ein Lichtblick europäischer Schlagkraf­t und Solidarität. Jetzt, da die Covid-Zahlen wieder kräftig nach oben gehen, drohen sich alte Handlungsmuster und Fehler zu wiederholen. Tag für Tag decken einander die EU-Länder in wildem Durcheinander mit Reisewarnungen ein. Einen halbwegs einheitlichen europäischen Standard, wie hier nachvollziehbar und ohne Willkür vorzugehen ist, gibt es nicht.
Mit der Corona-Ampel hat Österreich (Orange u. a. für Wien und Innsbruck) selbst die Vorlage für die jüngsten Reise­warnungen gegeben. Wir sind aber auch sonst mangels EU-Regeln quasi Passagier, ob und wie Staaten vor Reisen nach Österreich warnen. Die einzige Chance, massivsten Schaden für den Tourismus und die ganze Wirtschaft abzuwenden, sind wieder niedrigere Infektionszahlen. Für strengste Regeln etwa für Après-Ski & Co. muss deshalb gerade auch die Tourismusbranche aus Selbstschutz massiv eintreten.

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