Tiroler Tageszeitung „Leitartikel“ vom 6.11.17 von Gabriele Starck „Große Töne und schwache Ausreden“

Innsbruck (OTS) - Das Klimaschutzabkommen von Paris ist derweil noch nicht das Papier wert, auf dem es steht. Den weltweiten Lippenbekenntnissen sind in den vergangenen zwei Jahren kaum realpolitische Taten gefolgt.

Was ist geblieben vom Enthusiasmus? Vom gegenseitigen Schulterklopfen der Staats- und Regierungschefs vor zwei Jahren in Paris? Wie sehr ließen sich die Staaten feiern, als sie im April 2016 das Klimaschutzabkommen in New York feierlich unterzeichneten.
Heute trifft man sich wieder, um – so wurde es zumindest vor einem Jahr in Marrakesch festgeschrieben – die Fortschritte beim Klimaschutz zu überprüfen. In den kommenden zwei Wochen in Bonn wird es allerdings vielmehr darum gehen, überhaupt erst einmal Regeln zu definieren, wie die Ziele erreicht werden können.
Zwei Jahre nach Paris ist das ein Armutszeugnis. Umso mehr, als die deutsche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) meint, schon eine Verständigung darauf, sich gegenseitig zu prüfen und sich nicht zu beschummeln, wäre als Erfolg zu werten. Und doch ist Hendricks’ Wunsch optimistisch zu nennen angesichts des politischen Weltklimas. Die Ausgangslage wäre eigentlich hervorragend: Syrien ist inzwischen das weltweit einzige Land, das dem Abkommen nicht beitrat. Die Weltwirtschaftskrise ist überstanden. Dass die USA wieder aussteigen wollen, hat keine Nachahmer gefunden – im Gegenteil: Das Bekenntnis zu Paris wird allerorten betont. Es gibt also keinen Grund, nicht energisch am gemeinsamen Ziel zu arbeiten, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu halten – wäre da nicht die Realpolitik.
Über Donald Trump den Kopf zu schütteln, ist heuchlerisch. Denn das große Tönen und sogar die mehr als deutlichen meteorologischen Warnzeichen werden überall längst wieder überlagert von penetranten Nebengeräuschen. Vom Verleugnen des Unausweichlichen (etwa im Wintertourismus), dem Bestehen auf das „Weiter so“ (etwa beim deutschen Braunkohle-Abbau) und der Verweigerung, Neues zu entwickeln (etwa klimaneutrale Antriebstechnologien). Doch mit dem Argument, man könne nichts ändern, ohne das Erreichte zu gefährden, riskiert man alles Bestehende.
Vielleicht sollten ja auch die Klimaschützer, um gehört zu werden, mehr mit der Populisten liebstem Thema argumentieren – der Migration. Dokumenten zufolge, welche die G7-Umweltminster gestern in Mailand prüften, wird der Migrationsdruck wegen der Klimawandelfolgen enorm wachsen. Diese Fluchtursachen können nicht nur vor Ort, sondern müssen von jedem Einzelnen weltweit – auch hierzulande – bekämpft werden: beginnend in den eigenen vier Wänden.

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