TIROLER TAGESZEITUNG „Leitartikel“ Freitag, 1. Dezember 2017, von Peter Nindler: „Lächeln, immer schwarz-grün lächeln“

Innsbruck (OTS) - Die Grünen quälen sich in den beginnenden Landtagswahlkampf, der Koalitionspartner ÖVP lässt sie immer öfter politisch anrennen. Noch machen sie gute Miene, doch das Lachen ist dem Juniorpartner in der Regierung längst vergangen.

Eigentlich müsste Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe und Klubchef Gebi Mair schon längst die grüne Hutschnur reißen. In Tirol fährt ihnen beinahe täglich der Koalitionspartner in die Parade, gleichzeitig muss Spitzenkandidatin Felipe bis zur Landtagswahl schwarz-grün lächeln. Wenn auch gequält. Denn Landeshauptmann Günther Platter lässt seine Verkehrsreferentin in der Transitpolitik sprichwörtlich in der (schlechten) Luft hängen, während er die Lkw in Kufstein bremst und versucht, die Brennerachse teurer zu machen. Geht es um zusätzliche Natura-2000-Schutzgebiete, setzt sich Platter noch dazu an die Spitze der Neinsager, obwohl Natur- und Umweltschutz eine zentrale politische Forderung der Grünen ist. Und in Wien zeichnet sich in den schwarz-blauen Regierungsverhandlungen ein Bildungspaket ab, das die schwarz-grünen Schulansätzen in Tirol förmlich aushebelt. So gesehen sollten die Grünen geradezu den Hut draufhauen. Ein Kuschelkurs im Wahlkampf könnte sie am Wahltag förmlich zerreißen. Der Juniorpartner in einer Regierung tut sich generell schwer, außer er zieht einen kompletten Schlussstrich wie Sebastian Kurz. Die Grünen sind nicht Kurz und schon gar nicht türkis. Doch ohne Ecken und Kanten oder eine klare Abgrenzung zum Koalitionspartner werden sie die bei der Nationalratswahl in Scharen abgewanderten Sympathisanten kaum zurückgewinnen.
Andererseits hat die Ökopartei derzeit sogar noch etwas Glück. Mit Ausnahme der Liste Fritz, die allerdings stets im Angriffsmodus agiert, oder der ÖVP, die sich nur selbst schlagen kann, kommen ihre Hauptkonkurrenten SPÖ und FPÖ auch nicht so recht auf Touren. Inhaltlich sind die Freiheitlichen mit ihrem Parteichef Markus Abwerzger mehr oder weniger abgetaucht, sie bauen wohl auf eine anhaltende blaue Höhenströmung sowie auf Rückenwind aus einer Regierungsbeteiligung auf Bundesebne.
Die Sozialdemokraten kämpfen hingegen mit dem Problem, dass sich die ausgeisternden Abgeordneten vor allem mit ihrer Politpension beschäftigen anstatt mit der Landtagswahl am 25. Februar. Zudem lässt Parteichefin Elisabeth Blanik noch keine klare Strategie erkennen, wohin sie die SPÖ führen möchte: in die Regierung oder wieder auf die Oppositionsbank.
Das Glück ist allerdings ein Vogerl. Das wissen auch die Grünen. Deshalb wird ein „Sowohl als auch“-Wahlkampf eher nach hinten losgehen. Wie die Liste Fritz werden FPÖ und SPÖ spätestens nach Weihnachten nämlich mit Sicherheit in den Angriffsmodus wechseln.

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